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Neues von Timo (Fred)

  • 13. Mai 2019
  • geschrieben von  Ilona Gehrig
Heute möchte ich Euch nochmal von Timo (Fred) berichten. Ein leider wirklich traumatisierter kleiner Hund. 
Ich bin sein "Ein und Alles" und er ist immer an mir, auf mir oder neben mir und muss immer aufpassen, dass er mich nicht verliert. Er weigert sich strikt mit jemand anderem Gassi zu gehen außer mit mir. Er ist unheimlich schnell in seinen Grundmauern erschüttert wegen Nichtigkeiten in unseren Augen. Dann pinkelt er mir ins Bett oder macht sein Häufchen in ein Hundebett, nur weil ich im Bad verschwinde. Eigentlich weiß er, dass ich da wieder raus komme, eigentlich....
Er kann nur nachts richtig tief und entspannt neben mir schlafen, wenn ich auch schlafe, dann weiß er, dass nichts passieren kann und ich mich nicht irgendwie in Luft auflöse. Erschüttert irgendwas seine kleine neue umsorgte Welt schreit / bellt er völlig hysterisch los und lässt sich kaum beruhigen. Männer z.b.
Aber das schlimmste ist, irgendetwas an ihm tun zu wollen. Ein paar Haare wegschneiden, eine Zecke entfernen - von scheren reden wir ja noch gar nicht, was zwingend notwendig wäre.
Er fängt sofort an zu hüpfen, auch auf meinem Schoß. Versteckt seinen Kopf, oder was auch immer ich gerade von ihm will. Jammert, fletscht und droht und ist absolut verzweifelt. :-( 
Nein, er würde mich niemals beißen.
Schon hier hatte ich einen Verdacht, war mir aber noch nicht sicher.
Gewissheit bekam ich, als ich ihm in guter Absicht letzte Woche ein wenig Knochenaufbaupulver übers Futter streute.
Der kleine Fresssack stand entsetzt vor seinem Napf und schaute mich an, als wolle er sagen - Du auch? Du versuchst das auch? 
Er fraß nichts, absolut nichts, was noch nie vorgekommen ist. Er ließ sich nicht mal mehr anfassen. Und noch schlimmer, er verließ das Haus, setzte sich in den Garten und jammerte in den höchsten Tönen. Er mied meine Nähe und hüpfte und sprang vor mir weg. Nur mit ganz viel Ruhe und Geduld konnte ich ihn wieder überreden ins Haus zu kommen.
Was war passiert? Die haben ihm in Portugal, weil er sich da auch wehrhaft zeigte Tranquilizer ins Futter gepackt, um ihn scheren zu können. Auch in vielen Tierarztpraxen hier ist das leider noch gängige Praxis. :-(
Habt ihr eigentlich irgendeine Ahnung, was ihr mit den oftmals sehr sensiblen Hundeseelen dabei anrichtet? Timo hat gelernt, weißes Pulver ist gefährlich. Es macht, dass ich mich nicht mehr bewegen kann und Menschen mit mir machen können was sie wollen, bei vollstem Bewusstsein.
Habt ihr irgendeine Ahnung, wie lange der Weg sein wird, das er wieder vertraut? Wie lange es dauern wird, bis man ihn auf positive Art scheren darf? Klar über Medical Training, aber er ist ein Pudel, und die hassen in aller Regel lange Haare. Er auch. Er nagt und beißt an seinen Pfoten rum und hat leider noch nicht genug Vertrauen, um sich helfen zu lassen. Und wir sind hier schon sehr trickreich, das könnt ihr mir glauben. 
Kann man denn nicht einfach mal ein wenig weiter denken, was man mit "einfachen Tricks" für dauerhafte Schäden anrichtet? Wäre er nicht sowieso schon hier, wäre er wegen solchen unnötigen Traumen nun sicherlich ein Rückläufer und schnell ein Wanderpokal geworden. Dabei ist er einfach nur ein liebenswerter, sehr loyaler und bisweilen verzweifelter Hund, der ein Problem hat. Wir nun alle mit ihm, aber auch das werden wir wieder hinkriegen. 
Ich wollte es Euch nur erzählen, denn ich glaube nicht, dass es der einzige Hund ist, der so eine Erfahrung mitbringt und lasst Euch auch nicht erzählen, dass das eine schonende Art und Weise sei, einem Hund den Willen zu brechen. Die Hunde sind viel intelligenter, als ihr denkt und sie verlieren mit solchen Methoden lediglich das Vertrauen in Euch. Ist es das wert?