Kovu (Finn)

  • 17. Jul 2019
  • geschrieben von  Ilona Gehrig
Für Finn / Kovu
 
Alles, was geschieht und uns zustösst,
hat einen Sinn; doch ist es oft schwierig,
ihn zu erkennen.
Auch im Buch des Lebens hat jedes Blatt
seine zwei Seiten. Die eine, obere,
schreiben wir Menschen
mit unserem Planen, Wünschen und Hoffen,
aber die andere füllt die Vorsehung,
und was sie anordnet,
ist selten unser Ziel gewesen.
 
NISAMI
 
Ich kann nicht sagen, was mich damals schlimmer traf - dass man Finn, der von Welpe an bei seinen Besitzern war, einfach so abgab und kein Problem damit hatte einen 8 jährigen DSH-Mix mit schlechten Karten auch im Tierheim abzugeben, von jemandem der mal vorgab Tiere zu lieben und sich auch mal eine Weile im Tierschutz engagiert hat. Oder, dass ein mir als sehr loyal bekannter Hund uns wirklich anbettelte, ihn mitzunehmen und richtig schrie, als wir seine zwei Freundinnen und Mitbewohner Rita (Kira) und Branquinha (Anna) abholten und ihn noch zwei Tage länger da lassen mussten, bis wir auch ihn abholen konnten. Er hatte sehnsüchtig gewartet und war nicht zu halten und sprang von alleine ins Auto und wollte nur weg so schnell wie möglich. Was um alles in der Welt war hier nur passiert?
 
Auch hier fanden wir eine Pflegestelle, aber auch hier leider keine wirklich gute Option. Sie waren sehr schnell mit ihm überfordert und stopften ihn den ganzen Tage mit Essen voll und gingen wenig spazieren und reagierten zunehmend genervter auf ihn. Wir suchten zwar fieberhaft weiterhin eine Endstelle oder eine neue Pflegestelle, aber wer wollte einen alten Schäferhund, der zudem noch an der Leine zog wie ein Ochse wenn er andere Hunde sah? 
Nachdem sich weiterhin nichts verbesserte für ihn, man sich Tipps und Hilfen gegenüber völlig resistent zeigte, entschlossen wir uns eine Pension zu finden, die es sich zutraute mit ihm zu arbeiten und ihn aufzunehmen. 
Mein Gefühl war immer, Finn wollte endlich ebenerdig rein und raus in seinen eigenen Garten und er wollte Hunde um sich haben. Das sollte er jetzt bekommen und ich wollte endlich wissen, ob ich mit dieser Einschätzung richtig lag und er wirklich nicht verträglich war mit anderen Rüden. 
So fanden wir Anfang September 2018 Lara und ihre Pension. Sie schaute sich Finn genau an und beobachtete ihn und meinte nach kurzer Zeit - o.k das ist ein ganz normaler DSH, mit dem komme ich zurecht. <3
Und so zog Finn bei Lara ein, sie begleitete seine anfänglichen sehr grobmotorischen Gespräche mit anderen Rüden. Sie korrigierte ihn, und half ihm und sie brachte ihm auch in kürzester Zeit bei, wie man anständig an der Leine läuft. Sie machte nie Aufsehens darum, sie machte einfach. Sie hat ihn einfach verstanden und hat ihm dabei geholfen endlich Hund sein zu dürfen. Sie hat ihn geführt und sie hat ihn geliebt und wollte wie wir, dass er endlich leben kann und glücklich sein durfte. <3
Und das tat er, nicht nur seine angefressenen 10 Kilo Übergewicht verlor er hier schnell mit Bewegung und mit seinem heißgeliebten Barf, sondern er genoss es in vollen Zügen endlich mit allen Hunden uneingeschränkt Kontakt haben zu dürfen und sich hier endlich frei entfalten zu dürfen.
 
Als mir Lara die ersten Bilder schickte, habe ich geweint vor Rührung, so habe ich mich gefreut, dass meine Vermutung richtig war und Finn endlich glücklich und angekommen aussah. 
Was hatten wir nur für ein Glück, dass wir Lara und ihre Pension gefunden haben und sie einen Faible für alte und verhaltensoriginelle Hunde hat. Für sie war das ein Heimspiel und für Finn die ganz große Chance. 
Ich hatte wie gesagt immer die Ahnung, dass er gerne Kontakt gehabt hätte zu anderen Hunden, er jaulte und zog da hin und er war so glücklich mit den beiden Mädels, als diese einzogen bei ihm. Er war so fürsorglich, immer sofort zur Stelle wenn irgendeiner auch nur *piep* sagte. Ich dachte öfters insgeheim, er ist einfach nur unverstanden und ich konnte damals bei unseren Begegnungen noch nicht ahnen, dass ich mal verantwortlich sein würde, seine Weichen neu zu stellen. 
Er erinnerte mich sehr an meinen alten Freund Benny, einer meiner ersten Hunde und der brachte mir quasi alles Wichtige über die Schäferhündigen bei. Er war genauso und ich habe mit ihm das Gleiche gemacht, wie Lara jetzt mit Finn. Auch er wollte nichts anderes, als endlich leben und das man ihm vertraute. Und auch er war so glücklich darüber, endlich wichtige Aufgaben übernehmen zu dürfen und auch ihn hielt man für unverträglich. Und beide waren in ihrem neuen Wirken so großartig, so fair, so souverän, dass es einen immer wieder zu Tränen rührte. 
So wurde auch Finn bei Lara innerhalb kürzester Zeit sehr ruhig und sehr entspannt. Er trug mit Freude seine riesigen Äste durch die Gegend oder kümmerte sich sofort pflichtbewusst um die neuen Hunde, die noch ein wenig bedröppelt in der Welt rum standen und war ihnen stets ein echter Freund. Er war auch immer zur Stelle, wenn es was zu regeln gab und machte deutlich wer hier das Sagen hatte. Und er trug mit Stolz seine Schrammen zur Schau, wenn mal wieder irgendein Jungspunt testen wollte, wer der Stärkere war. Ein echtes Hundeleben mit wichtigen Aufgaben.
 
Als ich die neuen Bilder von Jacqueline von ihm sah, wusste ich sofort, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Zu groß der körperliche Zerfall innerhalb eines halben Jahres. Manchmal kann man es nicht erklären, man weiß es einfach und ich wusste, er hat sein Lebenspuzzle bei Lara nun endlich beenden dürfen. Dieses letzte Puzzleteil durfte er bei ihr finden. 
Ich sagte Lara ehrlich, was bei mir ankam und das ich nicht wollte, dass er noch mal weg muss und ich keine Familie mehr für ihn suchen möchte. Finn wollte bleiben und hatte sein Zuhause endlich gefunden. 
Lara (Ich liebe unsere Gespräche auf Augenhöhe <3) nahm ernst was ich sagte und wollte ihn zum Glück auch selbst nicht mehr hergeben, also adoptierten sie ihn am 22.03.2019 sehr gerne. <3 
Sie nannten ihn Kovu, wie der Lion King aus König der Löwen, weil sie in ihm genau das sahen und er dieser Persönlichkeit entsprach. 
Wir ließen ihn auch vorsorglich nochmal genau checken, aber da kam nichts wirklich besorgniserregendes raus.
So hofften wir beide, dass ich mich vielleicht doch getäuscht hätte und er doch noch Zeit hatte, seine neue Freiheit etwas länger zu genießen. 
Aber kaum hatte sie ihn übernommen wurde er richtig krank - hohes Fieber und in den Schüben ständig einen entzündeten sehr schmerzhaften Penis. Lara scheute keine Mühe und Kosten, um ihn überall gründlich untersuchen zu lassen und um herauszufinden was ihm fehlte. Sie hegte und pflegte ihn in seinen Schüben und wollte so gerne, dass er noch möglichst lange sein Leben glücklich genießen kann. Es wurde aber nichts gefunden, hatte aber weiterhin regelmäßig seine schmerzhaften Fieberschübe. 
Nach einem wunderschönen Wochenende in einer Hochphase mit viel schwimmen und Stock retten, rief sie ihn Montagsabends wie viele Male davor auch schon, zu sich. 
Ein vertrauter Vorgang, nur heute war alles anders. Er stand auf, taumelte und brach zusammen. Es war die Milz, er hatte einen Milztumor und dieser war jetzt geplatzt. Eine sofortige Operation und auch das gespendete Blut von Baby (Pateta) konnten nicht verhindern, dass er einfach aufhörte zu atmen. 
Am 01.07. abends ging er einfach so, ohne viel Aufhebens nach Hause, begleitet bis zum Schluss von Lara. 
Nur drei Tage nach dem Tod seiner alten Freundin Kira (Mascha), ist er ihr gefolgt. Ganz Gentleman hat er sie natürlich auf keinen Fall alleine nach Hause gehen lassen wollen und hat sie ganz selbstverständlich begleitet. Dabei hat er eine völlig geschockte und sehr traurige Lara zurück gelassen, die einen längeren Moment brauchte, um zu verstehen was da gerade passiert war. Zufall? Ich denke nicht. 
Ja aller medizinischer Fortschritt, alles Wollen hilft nichts, wenn ihr längst schon ganz andere Pläne geschmiedet habt. 
So oft denken wir, wir seien die überlegenere und mächtigere Spezies und so oft zeigt ihr uns, dass ihr unsere Lehrmeister seid und nicht umgekehrt. So viele Geschenke und Botschaften und Weisheiten habt ihr für uns und so selten wird das geschätzt und verstanden.
 
Lieber Finn / Kovu, es war mir eine Ehre Dir helfen zu dürfen, Deinen Weg hier in dieser Welt würdevoll beenden zu können. Ich werde Lara und Markus auf ewig dankbar sein, dass sie Dich im Herzen geliebt und verstanden haben und Du mit ihrer Hilfe der Diamant werden konntest, der Du immer warst. Sie haben Dich geschliffen und Deine Seele endlich wieder ausgegraben und sie haben Dir größtmögliche Freiheit geschenkt - das schönste Geschenk, was man einem anderen schenken kann. Somit konntest Du nun weiter ziehen zu neuen Ufern und neuen Abenteuern.
Du wirst auf ewig nicht nur einen Platz in ihrem Herzen haben, Du hast viele Menschen auf Deinem Weg in dieser Welt beeindruckt und berührt. Ja, es ist trotz aller Traurigkeit tröstlich, dass wir nicht wirklich die Macht haben, in die Geschichte Eures Lebens einzugreifen und es ist tröstlich Dich wieder mit Mascha (Kira) vereint zu wissen. 
Eine Liebe über den Tod hinaus, und keinem war das in dieser Form bewusst. Wie wunderschön, dass ihr diesen Weg gefunden habt, um wieder zusammen sein zu können. 
Wie schön, dass keine Diagnostik dieser Welt etwas heraus finden kann, wenn ihr gar nicht wollt, dass wir es finden und tröstlich auch, dass ihr Euren eigenen Lebensplan habt. 
Das gibt Hoffnung für uns Menschen. 
Ich danke Dir, dass wir durch Dich Lara kennenlernen durften, mit der wir sicherlich noch vielen Tieren zusammen helfen dürfen, wieder heil und ganz zu werden und auch endlich wieder verstanden zu werden. Du hattest am Ende eine würdige Führerin und einen echten Freund. Und ich weiß, Du bist glücklich und in Frieden gegangen. Egal was war, es ist nicht wichtig, das Ergebnis ist wichtig und am Ende alles was zählt. Und auch wenn Lara noch immer traurig ist und Dich sehr vermisst, aber auch sie kann Dich in Liebe loslassen für was auch immer und auch sie tröstet der Gedanke sehr, dass ihr beide nun wieder zusammen seid. Persönlichkeiten wie Du hinterlassen viele Spuren und somit wirst Du immer sehr lebendig in unserer Erinnerung bleiben und wirken. 
Bis irgendwann mein alter Freund. <3

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