Pinipom - oder wenn ein kleiner Engel auf eine große Reise geht

Viele schwarze Tage liegen hinter uns. Tage um das Bemühen, eine kleine beige Hündin einzufangen, die seit 05.02.2014 durch Hamburg irrte und am 21.02.2014 im Stadtgraben in Lübeck so tragisch ertrank.
Was um alles in der Welt ist denn nur geschehen?
Pini, wo wolltest Du hin?
Zurück nach Marne, wo Du fast zwei Monate glücklich auf einer Pflegestelle leben durftest? Gab es wirklich ein Ziel oder war Dein Ziel einfach nur „weg von den Menschen“? Was um alles in der Welt haben wir denn alle nur falsch gemacht? Haben wir denn überhaupt was falsch gemacht? Du hast so unendlich viele Menschen mit Schuldgefühlen und in einer tiefen Ohnmacht zurückgelassen. Es wollten Dich so viele lieben und Du hast ein so hartes Urteil über uns Menschen gefällt. Wir waren es in Deinen Augen leider nicht mehr wert geliebt zu werden von Dir oder fehlte Dir einfach ein vertrautes Gesicht, eine vertraute Stimme zur rechten Zeit am rechten Ort?

Deine traurige Geschichte begann in Portugal, als Dich Deine Besitzer in einem Tierheim entsorgten, um dich töten zu lassen, weil man Dich nicht mehr haben wollte. Eine erste große Enttäuschung. Ich bin sicher, es ging Dir nicht besonders gut bei diesen Menschen, aber Du hattest ein Zuhause und warst ihnen treu ergeben. Nun saßt Du da inmitten des Tierheimes in einem kleinen Käfig und musstest hilflos ausgeliefert warten auf die Dinge, die da kamen und die man mit Dir anstellte. Andere Hunde machten Dir Angst und als man Dich auf engstem Raum zusammenpferchte mit anderen Hunden, hattest Du Todesangst, nicht wissend, was nun mit Dir passiert. Und rund um Dich rum Beißereien und kranke Hunde oder das Ausspritzen des Zwingers mit kaltem Wasser. Auf Euch nahm man dabei keine Rücksicht.

Dann hat Ana von unserer Partnerschaftsorganisation Dich entdeckt und hatte Mitleid mit Dir und wir waren beide sicher, wir könnten Dir ein schönes Leben in Deutschland bieten und ganz bestimmt Deine Menschen finden. Ana hat Dich mitgenommen in ihre Wohnung, wo Du mit ihr und ihren eigenen Hunden und Katzen friedlich zusammengelebt hast. Tapfer hast Du ertragen, dass man Dir nach und nach beide Milchleisten entfernt hatte mit Verdacht auf Mamma-CA. Ich will nicht wissen, wie viele Schmerzen Du alleine dafür ertragen hast.
Ich bin zudem nicht sicher, ob dem überhaupt so war. Du warst zu jung und es sah eher so aus als seist Du als Gebärmaschine benutzt worden und nun unbrauchbar geworden und in den Zitzen hattest Du noch kristallisierte Milch. War ja nicht das erste Mal, dass das nach eingehender Untersuchung in Deutschland rauskam.
Schon damals fiel mir Dein sanftes liebes Wesen auf. Du warst trotz allem, was Du bisher an Schmerzen und Enttäuschungen durch Menschen hast erfahren müssen, immer gut gelaunt, hast immer alle Menschen für Dich eingenommen, sie zum Lachen gebracht, mit ihnen gespielt und mit ihnen für Dein Leben gerne geschmust und nachts bei Ana unter der Bettdecke geschlafen. Begeistert hast Du mit und ohne Leine Deine Welt erobert und neugierig untersucht.
Nun sollte endlich alles gut werden für Dich. Das wollten Ana und ich Dir so gerne ermöglichen und so kamst Du nach 6 Monaten bei Ana, Anfang Dezember 2013, in Deutschland an. Die letzte OP- Narbe noch ganz frisch. Offen und fröhlich hast Du auch hier wieder alle neuen Menschen begrüßt und alles begeistert inhaliert, was sich Dir an neuen Reizen geboten hat.
Yvonne und Daniel, Deine Pflegestelle, erwarteten Dich schon ganz sehnsüchtig und so fuhr ich Dich, mit Hundekumpel Einstein zusammen, vom tiefsten Süden Deutschlands in den Norden und wieder hätte man Dich unterwegs schon mehrfach vermitteln können. Du hast einfach alle Menschen rund um Dich herum begeistert mit Deiner liebevollen und offenen Art. Selbstredend, dass Du eine ganz reizende Begleiterin warst, während der langen Autofahrt. Reinlegen und schlafen die ganze Zeit und mit einem Gottvertrauen, dass ich schon alles richtig machen werde.
Wieder ein Wechsel, alles kein Problem. Du fandest, Nicole sei auch nett.
Hätte ich doch damals nur geahnt, dass dieses Bild das letzte war, das ich von Dir machen würde, hätte ich bestimmt versucht, das Schicksal zu beeinflussen und Dich nicht in den Norden gefahren. Ja, wenn...

In Deiner Pflegestelle warst Du zum ersten Mal wieder richtig glücklich, vielleicht sogar endlich mal überhaupt glücklich? Hast gespielt, am liebsten mit Quietschies und hättest alles getan für ein Stück Käse und liefst sehr schnell ohne Probleme ohne Leine und hörtest fast immer aufs Wort, wenn es nicht gerade regnete und Du lieber wieder zurückgeflitzt bist, um vor der Haustüre zu warten, bis man hinter Dir herkam.
Hast ihnen damals einen tüchtigen Schreck eingejagt, als Du auch da schon einfach so über stark befahrene Straße liefst, aber auch bald war das kein Thema mehr und Du liefst auch tapfer im Regen spazieren. Du warst ein fröhlicher, verschmuster und loyaler kleiner Hund. Auch sie erzählten immer wieder, wie toll Dich alle fanden und wildfremde Menschen brachten Dir Geschenke mit in den Park und freuten sich, Dich zu sehen.
Eigentlich war sogar schon besprochen, dass Du bei ihnen bleiben solltest, aber da machte der Vermieter nicht mit und deswegen suchten wir für Dich eine eigene Familie. Vor diesem Hintergrund ist das nun doppelt tragisch für Yvonne und Daniel.

Am 02.02 haben wir Dich vermittelt, in der guten Absicht, Dich nun endlich dauerhaft glücklich zu machen. Ein liebevolles älteres Ehepaar mit gaaaanz viel Zeit, bei denen Du hättest ab sofort Einzelprinzessin sein dürfen und die aus tiefstem Herzen bereit waren, Dir alle Wünsche von den Augen abzulesen. Es gab innerhalb der Familie noch eine weitere kleine Hündin aus dem Süden und es war wirklich für alles gesorgt, um Dich mit allem zu versorgen, was für Dich wichtig gewesen wäre. Die ersten Berichte klangen schön und rund und wir alle hatten ein rundum gutes Gefühl – bis… ja, bis dieser verhängnisvolle Anruf kam, der unser aller Leben verändern und so deutliche Spuren in unserem Herzen hinterlassen sollte und Dein kleines Leben am 22.02. so tragisch enden ließ.
Warum bist Du an diesem Morgen nach nur 3 Tagen an Deinem neuen Herrchen vorbeigerannt und losgespurtet, als er die Post hereinholen wollte? Hast Du Deine neue Hundemama gesucht, die gerade nur kurz einkaufen war? Hat Dich etwas erschreckt? Warum hat man uns nicht sofort angerufen? Hätte man damit alles Weitere wirklich verhindern können?
Es ist noch nichts wirklich passiert, denn Passanten haben Dich problemlos einfangen können und Dich zu dem nächsten Polizeirevier gebracht. Warum da hin und nicht in ein Tierheim? Ist in Hamburg leider so üblich. Dieses Polizeirevier hatte auch einen kleinen Zwinger (dunklen Raum?), in den man Dich setzte und dann rief man Deine neue Familie an, damit sie Dich abholen konnten und der zuständige Polizeibeamte erkannte nicht die Panik, in der Du Dich befunden hast (Du warst ja so ruhig) und öffnete, ohne Dich erst zu sichern, einfach leichtfertig die Tür und Du ranntest los. Man konnte es nicht begreifen und verwies lapidar darauf hin, dass man davon ausginge, dass der Halter seinen Hund schon im Griff habe und dass man hätte ausdrücklich sagen müssen, dass man Dich erst 3 Tage habe. Und so bist Du über eine stark befahrene 6-spurige Straße um Dein Leben gerannt, in den nahegelegenen Park. Über Stunden wurdest Du hier immer wieder gesehen von verschiedenen Leuten. Zu spät für uns, um Dich da noch anzutreffen. Als wir im Park ankamen, warst Du schon weitergezogen und wir konnten nur noch mit den verschiedenen Leuten sprechen, die Dich gesehen haben.
Ich bin heute sicher, der Zwinger, die erneute Aussicht auf Einsamkeit und Todesangst, hat Dich in Dein Urtrauma zurückfallen lassen. Wie konntest Du auch wissen, dass man niemals vor hatte, Dich da zu lassen? Dass wir wirklich meinten, was wir sagten und das alles gut werden würde? Wie konntest Du wissen, dass man schon am ersten Tag Deines Weglaufens bereit war, alles zu tun, damit Du glücklich wirst? Du hättest unter vielen Möglichkeiten frei wählen können, auch zurück zu dürfen auf Deine alte Pflegestelle.
Aber niemand, absolut niemand von uns konnte Dich nun noch erreichen und Du ranntest, ranntest um Dein Leben und hast uns über die ganze Zeit hinter Dir gelassen.
Egal was wir taten, egal was wir machten, wir waren immer zu spät oder konnten Dich aus sonstigen Gründen nicht erreichen.
Wir Menschen hatten Dich einmal zu oft im Stich gelassen, die Gleichgültigkeit, mit der man Dir leider vielerorts begegnet ist, war einfach zu viel für Deine zarte und so liebevolle Hundeseele.
Hättest Du nicht einfach warten, Dich im Umkreis aufhalten können? Hast Du denn nicht gemerkt, dass wir Dir noch am gleichen Tag so dicht auf den Fersen waren und alle für Dich wichtigen Leute vor Ort hatten? Sie waren da, um Dich zurückzubringen, nach Hause und um Dein aufgebrachtes Seelchen wieder zu beruhigen. Ana wäre eingeflogen gekommen aus Portugal, wir haben nur auf einen kleinen Hinweis von Dir gewartet.

Verdammt, Pini, warum hast Du uns nicht eine einzige klitzekleine zweite Chance gegeben? Alles Vertrauen in uns Menschen aufgebraucht? War das Deine Botschaft?
Hast Du uns denn nicht gehört? Hast Du uns nicht gespürt?
Warum suchten wir grundsätzlich zur falschen Zeit am falschen Ort und erfuhren immer erst viel später, dass Du bereits weitergezogen bist? Weißt Du eigentlich, wie viele ähnliche Hunde es in Hamburg gibt, die alle alleine unterwegs waren? Erschreckend, oder?
Warum war es weder der PS noch den Besitzern wirklich möglich, bei der aktiven Suche zu helfen?
Warum bist Du am anderen Ende von Deutschland entlaufen und wir mussten von der Ferne Deine Suche organisieren?
Niemand, absolut niemand hat Dir zugetraut, dass Du kleiner Hund in der Großstadt Hamburg überleben würdest und schon gar nicht jeden Tag so viele Kilometer läufst.
Am ersten Tag von Hamburg- Poppenbüttel nach Volksdorf und dann weiter nach Ahrensburg, Großensee, Lütjensee, Wentdorf, Sierksfelde und wir dachten, Du wolltest nur raus aus der Stadt und kommst da nun zur Ruhe, nachdem wir mehrere Sichtungen hintereinander an mehreren Tagen bekommen haben, die alle bestätigten, dass Du da nun rumläufst.
Da wurdest Du endlich sesshaft, ganz bestimmt. Es gab ein gutes Nahrungsangebot, es war ruhig und weitläufig und deutlich ungefährlicher als in der Stadt. Wir wollten das soooo gerne glauben. Wir mussten auch mal alle kurz Pause machen, wir alle mussten neue Kraft schöpfen und in Ruhe nachdenken, wie es weitergehen soll. Du doch auch, Pini, bitte bleib stehen und komm bitte, bitte zur Ruhe. Bitte bleib da und warte auf uns, das war unsere Botschaft und die Hoffnung dahinter.
Während wir da nun noch eifrig die Gegend zuflyerten, hattest Du bereits unbeirrt Deine Reise und Deinen Weg fortgesetzt. Pini, wohin?
Zu keinem Zeitpunkt gab es wirklich die Möglichkeit, Suchhunde einzusetzen, Futterstellen einzurichten. Lebendfalle? Mit der Vergangenheit und dem Trauma des Zwingers im Hintergrund sicherlich nicht. Narkosegewehr? Wo wir es nicht mal schafften, am gleichen Tag am gleichen Ort zu sein?
Wir waren ratlos. Was sollten wir denn nur tun? Wir brauchten doch Deine Mithilfe.
Ich hatte mich schon ganz am Anfang mit Frank Weisskirchen, einem Profi aus der Hundesuchszene unterhalten. Irgendwie hatte ich da noch die naive Idee, den rufen wir nun an, der wird das schon machen und fängt uns mal eben unsere Pini wieder ein. Es war ja nicht so, dass ich keine Erfahrung hatte mit entlaufenen Hunden, aber man fühlt sich, wenn einem sowas selbst passiert, so verdammt hilflos und ohnmächtig, wünscht sich so sehr, dass es irgendwer mal eben schnell in Ordnung bringt und das "Problem" löst. Er gab mir viele wertvolle Tipps und ein Satz ist mir von Anfang an haften geblieben: "Ihr habt keine Chance, wenn sie sich nicht finden lassen will" und nicht mitarbeitet.
Ich war selbst 5 Tage in Hamburg und Schleswig-Holstein unterwegs, habe mir mitten in der Gegend eine Unterkunft gesucht. Bin in meiner freien Zeit und morgens früh und abends spät alles langsam abgefahren, Deinen ganzen vermeintlich, gelaufenen Weg abgefahren, habe versucht, mich in Deine Lage zu versetzen. Je mehr ich das tat, desto besser habe ich begriffen, wie aussichtslos unser Kampf war. Uns konnte eigentlich nur noch ein Wunder oder der Zufall helfen. Wir mussten Dich loslassen, für was auch immer und darauf vertrauen, dass Du uns ein Zeichen gibst, einen klitzekleinen Hinweis. Einfach eine neue Chance. Das Gebiet sooooo weitläufig, so irrwitzig die Idee, dass Du uns hier begegnen würdest. Du hast Autobahnen überquert, Bundesstraßen und 6-spurige Citystraßen. Wurdest, wenn Du gesehen wurdest, immer auf Fahrradwegen, Straßen und in Orten gesehen, wurdest immer gleich beschreiben: selbstbewusst, gut genährt und schautest einen an und liefst weiter, unbeirrt Deinen Weg.
Welchen, Pini? Wusstest Du es denn selbst eigentlich?
Jeder Schritt in Deine Richtung hätte Dich ins Verderben geschickt, auf die Straße, in ein Auto oder, wie am 22.02., in den Stadtgraben. Es tut uns so unfassbar leid, Pini, dass wir Dir auch hier wieder so nah und doch so weit weg waren. Wir wähnten Dich in Sicherheit und überlegten nächste Schritte.
Ein einziges Mal auf Deinem Weg gab es eine klitzekleine Chance, eine ältere Frau mit Hund hat Dich gesehen und einfach nur nett mit Dir gesprochen und Du stopptest, hörtest ihr zu, liefst sogar einen Schritt auf sie zu und dann bellte ihr Hund Dich an und Du ranntest sofort wieder weg. Wärst Du vielleicht zu ihr gekommen ohne Hund? Sie war unendlich traurig, als sie uns das erzählte, wie so viele Leute, mit denen wir gesprochen hatten. Irgendwie fühlte sich jeder schlecht dabei, Dich nicht aufhalten, anlocken und retten zu können. Pini, wildfremde Leute wollten Dir so gerne helfen, so viele Leute bangten und zitterten mit uns.

Viel Mitgefühl und Liebe hat Dich auf Deinem Weg begleitet, aber leider kamen wir nicht mehr zu Dir durch.
Verzweifelt versuchten wir, einmal vor Dir irgendwo zu sein. Wir waren dabei, uns Richtung Mölln, Bad Oldesloe, Ratzeburg zu orientieren. Lübeck hatten wir leider nicht auf dem Schirm und leider auch keine weiteren Sichtmeldungen mehr. So konnten wir leider das Unausweichliche nicht mehr verhindern.
Du bist also der E22 gefolgt. Direkt nach Lübeck. War die Europastraße Deine Orientierung? Europa, die Verbindung Portugal und Deutschland? Pini, das tut weh, das nun alles mit Abstand zu rekonstruieren und noch einmal zu begreifen, wie abenteuerlich Dein Weg war und wie aussichtslos unser Unterfangen.
Samstagnachmittag bist Du also in Lübeck in der Innenstadt angekommen und da ja, wie immer, ohne Scheu vor Autos und Straßen, mitten im Verkehr herumgelaufen und die Menschen hatten da leider noch keine Ahnung von Dir. Wussten nicht, dass man Dich unter keinen Umständen einfangen durfte und begannen, Dich in guter Absicht des Einfangens und des "Dich in Sicherheit bringen Wollens" zu jagen und Du bist immer mehr in Panik geraten und in Deiner größten Not in den Stadtgraben gesprungen, wo es keine Chance mehr für Dich gab, wieder herauszukommen ohne menschliche Hilfe.
Leute, bitte lernt aus Pinis Geschichte: man fängt niemals einen freilaufenden Hund ein, indem man ihn jagt, das kann nur in einer Katastrophe enden. Mit oder ohne Flyer und der Anweisung, das nicht zu tun.
Und nein, es war nicht so, dass man Dir nicht raushelfen wollte und alle zuschauten, wie Du da langsam ertrunken bist. Nein, es war viel tragischer. Immer wenn Dich eine Hand packen wollte, um Dich zu retten, bist Du weggeschwommen und hast es an anderer Stelle versucht. Volle 30 Minuten hat es gedauert, bis Du keine Kraft mehr hattest und untergingst.
Unnötig zu erwähnen, dass das dann genau der Zeitpunkt war, als die Feuerwehr eintraf, um Dich aus dem Wasser zu retten. Wie immer waren wir Menschen zu spät.
Lähmende Stille auch hier, es gibt keine weiteren Bilder als die aus dem Onlinebericht. Keiner sprach, keiner wird sich rechtfertigen. Auch hier fühlten sich wieder alle schuldig, das verursacht zu haben und wieder waren alle schockiert, dass Du auch noch in Deiner allergrößten Not auf die Hilfe von Menschen verzichtet hast und lieber gestorben bist als noch einmal zu ihnen zurückzukehren.
Weißt Du, Pini, ich bin als Kind auch mal fast ertrunken und ich erinnere mich noch gut daran, dass es angenehm leicht wurde, als ich aufhörte zu kämpfen und ich sauer war auf den Bademeister, dass er mich in letzter Sekunde gerettet hat. Ich wünsche mir, dass es bei Dir auch so war und Deine kleine Seele leicht hinüberfliegen konnte ins Regenbogenland und Dich da endlich Ruhe und Frieden umfing und man da in Ordnung bringen kann, was uns im Diesseits nicht mehr gelang.
Leider haben wir erst drei Tage später von Deinem Tod erfahren. Uta aus der Suchgruppe hat diesen Artikel gefunden im Internet bei ihren täglichen Recherchen und ihn mir geschickt. Und ich glaube, sie wollte so gerne, dass ich ihr sagte, dass Du es nicht bist, nicht sein kannst.
Ich wusste es sofort. Ich denke, auch Uta und auch Bianka, mit der ich gerade telefonierte, schon als wir die Überschrift des Artikels lasen.

Es mag für manche Leute verwunderlich sein, dass man sowas kann, aber wenn man sich über Wochen hinweg so intensiv mit etwas beschäftigt, dann weiß man es einfach. Dann weiß man, wann man verloren hat und dann weiß man auch irgendwann, wie die Geschichte zu Ende gehen wird. Dass man es nicht wahr haben will, ist etwas ganz anderes und ich kann verstehen, dass man in seinem ersten Schmerz Schuldige sucht, nicht wahr haben will, was man liest. Ging mir im ersten Moment ja auch so. Für mich ist der Tod nichts Schreckliches, nichts Endgültiges und ich weiß, dass der Tod auch in letzter Instanz Heilung bedeuten kann. Vielleicht konnte ich deswegen zulassen, was ich da las und mich auch darauf einlassen. Im Stillen haben wir wohl auch geahnt, wie es vermutlich ausgehen würde.
Die Tragik dieser Geschichte trifft mich deswegen aber genauso hart und ich begreife erst mit jedem weiteren Tag das ganze Ausmaß und befinde mich auch noch immer, wie einige von uns, in einem Trauerprozess. Habe aber auch weiterhin wichtige Erkenntnisse und auch das Aufschreiben dieser Geschichte hilft mir dabei, besser zu verstehen, was passiert ist.
Wir haben mit einem Polizisten vor Ort gesprochen, mit der Reporterin vor Ort, auch sie waren mit uns traurig und keinem fiel leicht uns mitzuteilen, dass es Pini ist. Unbegreiflich ist es, dass keiner ihren Chip ausgelesen und man sie einfach so entsorgt hat. Warum muss man Hunde dann registrieren und warum werden sie bei TASSO gemeldet, wenn niemand den Chip ausliest?
Wisst ihr, wie schlimm es ist, niemals mit etwas abschließen zu können? Wir hätten ohne Utas Hilfe immer weiter gesucht und dabei war Pini zu diesem Zeitpunkt schon 3 Tage tot und wir hätten wohl nie davon erfahren. Wie vielen anderen geht das wohl auch noch so? Die Wahrheit tut weh, keine Frage, aber die Ungewissheit ist noch viel unerträglicher und lässt einen niemals zur Ruhe kommen.
Mit Hartnäckigkeit und Anwalt schafften wir es, dass jemand vom Veterinäramt vier Tage später noch mal die versiegelte Tonne öffnete und den Chip ablas, der dann abschließend noch einmal bestätigte, dass es Pini war. Und zu allem Unglück war es uns nun nicht mal vergönnt, Pini zu beerdigen und Abschied von ihr zu nehmen in einem würdigen Rahmen. In Lübeck gibt es aktuell Schweinepestfälle und so durfte man uns Pini nicht aushändigen (Seuchenschutzgesetz) und sie blieb in einem Plastiksack in einer Tonne und wird als Sondermüll extra entsorgt.
Aber am Ende dieser tragischen Geschichte wundert das auch nicht mehr wirklich und für Pinis Seele spielt es auch keine Rolle mehr. Sie ist wieder frei und erholt sich hoffentlich wieder auf irgendwelchen Himmelswiesen und hat uns Menschen hoffentlich auch wieder vergeben.
Das ist sie. Die außergewöhnliche Geschichte einer außergewöhnlichen Hündin mit einem außergewöhnlichen Namen, die außergewöhnliche Menschen an außergewöhnlichen Orten zusammengeführt hat.
Ich schaue mir ihren schicksalshaften Weg an. Ich schaue mir an, was sie mit uns Menschen gemacht hat und wie sie auf uns wirkte. Sie stand, wie selten ein entlaufener Hund, so in der Öffentlichkeit und hat so viele Menschen in ihren Herzen berührt. Ich schaue mir die Zahl "2" in der Numerologie an, die einem hier so deutlich ins Auge springt und bin zutiefst berührt, denn langsam verstehe ich.
Bei dieser Verkettung an unglücklichen Umständen hatten wir niemals eine wirkliche Chance und wenn man sich ihre ganze tragische Geschichte anschaut und liest, wird hoffentlich nicht nur mir bewusst, Pinipom war eine kleine Heilerin und eine Botschafterin auf dem Weg. Sie hatte längst ein Zuhause, sie ging zurück zu Gott.

Das Drama nahm seinen Lauf, als es darum ging, irgendwo fest wohnen zu müssen, für die Ewigkeit in diesem Leben, aber dieser Hund war nicht für diese irdische Welt gedacht. Engeln begegnet man. Man kann sie nicht besitzen, niemand von uns kann das...
Deswegen hat sie uns alle so berührt. Sie ist nach Hause zurückgegangen und hat auf dem Weg dahin Spuren in uns allen zurückgelassen. Das war ihre Aufgabe.
Es gab so viele Geschichten in dieser Geschichte, dass ich mir sicher bin, sie hatte eine andere Aufgabe als einfach irgendwo "nur" glücklich zu sein.
Während sie auf ihrem Weg Herz um Herz öffnete, gefror ihr eigenes mit jedem Kilometer mehr.
Happyend wäre viel zu banal gewesen, keiner hätte ihre Botschaft verstanden und vor allem im Herzen behalten, so war es viel wirkungsvoller und nachhaltiger.
Sie hält uns und unserer Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor. Zeigt uns unsere eigenen Grenzen, hebt die Kontrolle auf. Ein kleiner 5 Kilo-Hund auf Wanderschaft und mit einem tragischen Ende und die Welt steht einen Moment still für viele Menschen und ich denke, die Tränen, die um sie geweint wurden, füllen sicherlich locker eine Badewanne.
Was für ein Mut, was für eine Willensstärke, was für eine Energie - da können die meisten Leute Zeit ihres Lebens nur von träumen.
Wenn das Ziel der Hunde ist, uns zu coachen, uns im Herzen zu berühren, hat sie ihr Ziel doch längst erreicht. Pini, Du warst eine hervorragende Lehrerin. Dankeschön!
Es geht hier gar nicht um Schuld, niemand hat Schuld, sie war nur auf dem Weg zurück nach Hause, in unser aller Zuhause. Wir alle nur ihre Erfüllungsgehilfen? Fällt schwer, zu glauben, aber lässt diese Geschichte wirklich einen anderen Schluss zu, wenn man in der Lage ist, ein wenig über den Tellerrand hinauszuschauen?
Wir denken immer, wir wüssten alles und auch was Hunde für Bedürfnisse haben.
Pini haben wir wohl nie verstanden und welche Bedürfnisse sie hatte, wohl auch nicht.
Sie hat uns unsere eigene Begrenzung gnadenlos aufgezeigt und uns so vieles zum Nachdenken hier gelassen. So viele Geschenke auf ihrem Weg und es sind noch viele ungeöffnete dabei, ich denke für jeden Einzelnen, dem sie begegnet ist.
Sie hat ein Denkmal in unserem Herzen. Keiner, der an dieser Geschichte beteiligt war, wird sie jemals vergessen und alle werden wir uns früher oder später daran machen, unsere Päckchen zu öffnen, das ist ihr Vermächtnis.
Aber wie ich schon sagte, Engel besitzt man nicht, man hat das Glück ihnen begegnen zu dürfen. Wir hatten somit großes Glück.
Und ich habe inzwischen verstanden; durch diesen Prozess zu gehen, wird mir Schritt um Schritt einen Teil Frieden zurückbringen und irgendwann werden wir alle aus Dankbarkeit lächeln, wenn wir an Pini denken und uns glücklich schätzen, ihr haben begegnen zu dürfen.
Und eigentlich ist es auch schön, Freunde im Himmelreich zu haben. Ich habe ihr eine neue Freundschaftsanfrage gestellt, sie hat sie angenommen :-)

Leb wohl, Pinipom, wir arbeiten an uns und denken in tiefer Wertschätzung und Dankbarkeit an Dich und werden Dich immer in liebevoller Erinnerung behalten und ich werde in Zukunft noch achtsamer mit Euch zarten Seelchen umgehen, versprochen. Und ja, ich habe verstanden, wir sollen weiter machen mit dem Weitermachen, für Dich ist ab sofort bestens gesorgt. Ich gebe mir Mühe und werde weiterhin versuchen, so gut ich kann Deinen Kollegen zu helfen.

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