Ein kleines Wunder

Margarida war einer unserer Notfälle aus der Garage. 
Keiner wusste so wirklich genau, wie alt sie war und auch keiner, wie lange sie schon so leben musste. 
Ohne Auslauf, ohne Licht, oft kein Futter, voller Angst und ohne Hoffnung und das seit Jahren. 
Sie rückte in den Mittelpunkt, weil sie da so einfach lag und sich aus eigener Kraft auf nichts Trockenes mehr legen konnte. Sie lag da, auf dem feuchtnassen Betonboden, zwischen uringetränkten Futterbröckchen und wartete auf Erlösung. 
 
Margarida
 
Nein, so konnte ihr Leben nicht zu Ende gehen und so fragte ich überall herum, ob irgendjemand bereit war, einem Sterbehund einen Platz zu geben.
 
Ich musste nicht lange suchen, Alexandra sah dieses Bild und die Suche hatte ein Ende. Sie wollte diesen Hund retten, am liebsten sofort. Auch Andreas war sofort bereit, diesen Hund aufzunehmen und er sollte auch kein Pflegehund sein. Für beide war klar, dieser Hund sollte ein festes Zuhause haben, solange sie eben bei ihnen leben wollte.
 
In Portugal fragte man ungläubig x-mal nach, ob wir wirklich diesen Hund meinten, der ja nun wirklich gar keine Chancen mehr habe und ohnehin mehr tot als lebendig war. 
Aber ja doch - und dann flossen auch da viele Tränen der Rührung und Dankbarkeit und man holte Margarida umgehend raus, um sie vorzubereiten für ihren Abflug.
 
Margarida
 
Man traute sich kaum, mir zu sagen, dass Vida, wie sie inzwischen von Alexandra umgetauft wurde, eigentlich gar nicht laufen konnte und auch das rechte Vorderbein ständig abknickte und sie hatte zusätzlich wie fast alle Hunde aus der Garage eine massive Ohrenentzündung. 
Hatte man anfänglich Angst vor diesem großen Hund, wie er sich anfassen und tragen lassen würde, überwog schnell die Einsicht, dass Vida ein ganz besonderer Hund sei, der geduldig alles mit sich machen ließ.
 
Nichts schreckte ihre neuen Besitzer wirklich ab, und sie konnten kaum erwarten, Vida endlich in ihre Arme zu schließen.
Ich selbst habe Vida abgeholt und es war rührend zu sehen, wie Vida alles geduldig über sich ergehen ließ und einfach nur so da lag und schaute. Auch nett zu sehen, dass sich weder Ana noch Sandra helfen lassen wollten, Vida von A nach B zu tragen. Sie wurde tränenreich verabschiedet und immer wieder kam jemand an ihre Transportbox, um ihr tschüß zu sagen und alles Gute zu wünschen. Selbst die Leute auf dem Flughafen, die mit uns zu tun hatten...
 
Angekommen in Deutschland, schaute Vida zwar schon noch ein wenig ängstlich, aber immer noch interessiert, was nun so passierte. Und Alexandra nahm ihre Vida endlich glücklich in die Arme und auch hier sofort das gleiche Spiel- "Meins, ich trag´s alleine" .... :-)
 
Es folgte fast eine tägliche Berichterstattung und über jeden noch so kleinen Fortschritt herrschte große Freude. Niemand wurde müde, Vida mit ihren 30 Kilo mehrfach am Tag die Treppe hoch und runter zu tragen, ihre sämtlichen Ausdünstungen zu ertragen, die von ihren Altasten herrührten und geduldig täglich ihre Ohrentzündungen zu behandeln.
Vielleicht sollte man noch erwähnen, das dieser außergewöhnliche Hund vom ersten Tag an stubenrein war!
 
Nachdem relativ schnell erkennbar war, das Vida gar nicht daran dachte, sich von dieser Welt zu verabschieden, war es Alexandra´s Ziel, dass Vida eines Tages die zweistündige Tour beim monatlichen Lauftreff mitmachen konnte. Und beide entwickelten denselben eisernen Willen, sich Vidas Weg zurück ins Leben zu erkämpfen.
 
Ich könnte Euch weiter von so vielen kleinen und großen Fortschritten berichten, aber ich möchte Euch lieber das Ergebnis zeigen.
 
Vida nach 8 Monaten intensiver Arbeit im Dezember bei unserem Lauftreff. Sie war auch vorher schon dabei, aber da eben langsamer und wackeliger.
 
 
Betteln wie ein richtiger Hund
 
Wie eine echte Hundemama passt sie auf Ürmeli auf
 
Hat noch irgendeiner Zweifel, dass Vida zurück ist im Leben und  eine taffe, selbstbestimmte und selbstbewusste Lady geworden ist? 
Sie wird mit Sicherheit noch viele Tage ihr neues Leben geniessen und ich wette, sie hat noch so einige Überraschungen parat.
 
Danke Vida, dass Du Mensch wie Tier mit Deiner starken Persönlichkeit so berührst und zu einem wichtigen Hoffnungsträger geworden bist. Es ist schön, Deinen Weg so hautnah begleiten zu dürfen. Anrufe und SMS zu bekommen, wenn Du wieder eine Etappe geschafft hast und Dir wieder etwas Neues zurück eroberst hast und ja, es gibt Bilder von einer glücklich im Schnee herumspringenden Vida oder spielend mit ihren Hundekumpels. Auch von denen wurde sie von Anfang an uneingeschränkt gewertschätzt und respektiert.
 
 Vida mit ihren Freunden
 
Ich habe mich wirklich gefragt, was das Geheimnis dieses unglaublichen Erfolges war, dass ein so gebrochener Hund heute wieder rennt und läuft und nach so kurzer Zeit wieder Lebensfreude empfindet und auch wieder seine wundervollen Seelenqualitäten zeigen kann...
 
Unerschütterliche Liebe, Hoffnung und Glaube waren die Zutaten, die Vida ihr Selbstvertrauen zurück gegeben haben. Sie hatte Freunde, Freunde die sie nicht in Watte packten und einfach nur lieb hatten, nein Freunde, die jeden noch so kleinen Schritt, den sie nach vorne ging, sofort aufnahmen und bestätigten und sie anspornten, wieder ein ganz normaler Hund zu sein und kein wackeliger Pflegefall.
Sie gaben ihr Hilfe zur Selbsthilfe.
 
Ich Danke Euch Alexandra und Andreas, dass Ihr so selbstverständlich da seid für die, die woanders einfach ausgemustert wurden und dafür, dass Ihr immer noch nicht müde geworden seid, Eure Herzen zu öffnen, für die, die Euch nötig brauchen und aus ihnen wieder das zu machen, was sie mal waren, wundervolle Hundeseelen.
 

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