Tess

  • 01. Jan 2019
  • geschrieben von  Ilona Gehrig
Der Tod ist das Tor zum Licht 
am Ende eines mühsam gewordenen Weges.
 
Franz von Assisi
 
 
Für unser liebes liebes Tess ( so riefen wir sie tatsächlich fast immer <3 )
 
Ich weiß nicht, warum Du mir bei meinen Besuchen damals in der Garage nicht aufgefallen bist. Zu unscheinbar? Zu ruhig? Zu schwarz? Falscher Zeitpunkt?
Ihr wart einfach so verdammt viele, so viele die da schon seit Jahren die Hölle ertragen mussten. :-( 
Aber Ana hatte Dich rausgeholt zu sich, in ihr privates Tierheim und da sah, nein hörte ich Dich im August 2014 als ich mit Nicole damals da war.
Was warst Du nur für ein wunderschöner Hund, standest da inmitten der anderen im Gehege und machtest mit einem durchdringenden Jammerton auf Dich aufmerksam. 
Sanft, lieb und hübsch und sowas ist mir nicht aufgefallen.
Zum Glück waren wir genau in diesem Monat umgezogen nach MV und Du warst einer der Hunde, für den wir nun endlich Platz hatten, somit habe ich Dir versprochen, dass Du zu uns kommen darfst. 
Bereits einen Monat später holte ich Dich in Berlin am Flughafen ab und Du hast mich wieder begrüßt mit Deinem langgezogenen Jammerton und der begleitete mich auch im Auto bis wir hier waren. Du hattest Angst und hast nicht gewusst was mit Dir passiert, aber hier ganz schnell verstanden das wohl jetzt alles gut wird. Hilfreich waren dabei ein paar alte Bekannte aus der Garage. 
Eigentlich war der Plan, Dich schnell zu vermitteln und noch ein paar deiner Freunde nachzuholen, so das sie auch eine Chance gehabt hätten, aber schnell stellte sich heraus, dass die letzten Jahre deutliche Spuren hinterlassen haben, nicht nur auf Deiner Seele. Leishmaniose, Tumore und eine deutliche Aszitis. Somit war schnell klar, Du musst nicht nochmal umziehen und warst endlich Zuhause. Alles wollten wir für Dich tun, damit Du endlich glücklich bist.
Es war ein langer Weg alleine Deinen Magen-Darm wieder auf die Reihe zu bringen und Dich körperlich aufzubauen. Aber Dein ungläubiges Staunen über so viel neue Freiheit, Deine nun kaum zu bändigende Lebensfreude und Dein wachsender Unternehmungswille bestätigten aber schnell, dass wir auf dem genau richtigen Weg waren. Was haben wir über Dich gelacht als Du anfangs mit Anlauf auf den Tisch gesprungen bist, weil es Dir nicht schnell genug zum Gassi ging und weil Du auf keinen Fall vergessen werden wolltest. Stundenlang konntest Du spazieren gehen. Jedes Loch, jeder Tunnel wurde genau untersucht und Du standest da wie ein störrischer Esel und wolltest keinen Schritt weiter gehen bevor nicht alles genau untersucht worden ist.
Ich weiß gar nicht wie oft ich rief - och Tess und ne Tess und wie oft wir überlegten Dich wieder die Böschung hoch zu kriegen, die Du in Windeseile runter gerannt warst, weil da was leckeres zu fressen, zum wälzen oder zum verbuddeln war.
Ja genau Maulwurfschaufeln fandest Du essbar und mit Dir fand man sicher alle Knochen in der Umgebung von irgendwelchen verstorbenen Tieren. Da Ordnung sein musste, hast Du sie alle ordnungsgemäß beerdigt. Ja wirklich beerdigt, Loch gegraben und mit der Schnauze verbuddelt. Ich wollte ja wissen, ob es ein Lager war für schlechtere Zeiten, aber Du warst zufrieden wenn alles unter der Erde war was da Deiner Meinung hingehörte, und hast da auch zu keinem späteren Zeitpunkt da je nochmal wieder geschnüffelt.
Du warst der erste Hund hier, der nie ohne Leine draußen laufen durfte, weil Du auf der Suche nach den Abenteuern dieser Welt massiv eigengefährdet gewesen wärst, in vielfacher Hinsicht. 
Für Dich gab es einfach keine Gefahren und Dein Urvertrauen schien durch nichts wirklich erschütterbar.
Ich sehe Dich noch immer mit riesiger Freude zum Tor rennen, wenn es Gassi ging, egal mit wem - Hauptsache Welt entdecken. Und Dein heißgeliebter Garten; wie Du es liebtest ihn mehrfach am Tag ausgiebigst zu durchwandern, stundenlang auf Anhöhen in die Ferne zu schauen, leider auch den Schwalbenkindern aufzulauern und manch einen aus der Luft bei ihren ersten Flugversuchen zu fangen und riesige Löcher zu graben. Ein echtes Paradies für Deine Husky-Seele und 7000 qm ein würdiger Ausgleich fürs angeleinte Gassi gehen müssen, eigenständig Dein Gartenreich zu erkunden. Wenn beim Leckerli-Suchspielen mal was nicht gefunden wurde, kein Problem - Du hast alles ausdauernd und ruhig nachgesucht und auch gefunden.
Und alle Menschen ob groß oder klein wurden geliebt und allen Menschen die Dich kennenlernen durften, bist Du stets sehr lebhaft und positiv in Erinnerung geblieben. 
Von kaum einem Hund gibt es so viele Kuschel - und Schmusebilder mit Fremden und ich weiß gar nicht wie viele Kinder versuchten Ihre Eltern zu verführen Dich zu adoptieren. Früher dachte ich oft, Du wärst womöglich glücklicher wenn Du eine Familie ganz für Dich alleine gehabt hättest. Später habe ich dann verstanden, Du mochtest einfach alle und jeden und warst eben einfach nur freundlich zu Jedermann. Auch zu unseren Hunden warst Du immer sehr freundlich und Du gehörtest hier zu wenigen Hunden hier, die von allen anderen Hunden ebenfalls geliebt und akzeptiert wurden, so wie Du sie ebenfalls geliebt hast. Immer hast Du getröstet, geteilt, gespielt, Dich zurückgezogen wenn es nötig war, die anderen geputzt oder ihnen Halt gegeben. Nie gab es irgendwas, weswegen es Dir wert gewesen wäre zu streiten.
Du warst immer da, wo Du gebraucht wurdest und ansonsten unauffällig und doch sehr selbstbestimmt. Ein echter Charakterhund und es dauerte trotz allem fast drei Jahre bis Du uns wirklich vertraut hast und eine echte Beziehung aufgebaut hast.
Dein Futter liebtest Du auch sehr, besonders Knochen und Trockenkauzeugs, machten Dich glücklich und selten habe ich so einen vertrauensseligen Hund nach so einer Vergangenheit gesehen. Ich weiß gar nicht, wie viele Bilder ich alleine von Dir habe, wo Du mit den Füßen in der Luft im Garten lagst und seelenruhig schliefst. Egal was um Dich rum los war oder wer an Dir schnüffelte. Harmonie war das, was Du gelebt und ausgestrahlt hat und rausbringen konnte Dich nur Streit zwischen Menschen und Hunden oder starker Wind und Sturm, dann kamen sie zurück die Angstzwerge und ließen Dich kurz weinen und sich ein Versteck suchen. Aber es schien immer wieder schnell die Sonne und man musste immer lachen wenn man im Garten unterwegs war und Du angerannt kamst und Dich mit einem fröhlichen lachen vor einen geworfen hast - alle vier Pfoten in die Luft und an Ort und Stelle verharrt bist. 
Unser GuteLaune-Bär und Mama der Nation. 
Und oft dachte ich, wieder so ein ganz besonderes Seelchen an einem so furchtbaren, kalten und dunklen Ort und wie viele wir von Euch schon gefunden und kennenlernen durften und wie hell ihr nun alle scheint und unsere Welt hier ein wenig heller macht. 
Natürlich haben wir registriert, das Du schnell älter wurdest. Dein Bauchumfang nahm stetig zu und Du bist sehr schnell ergraut. Seit diesem Jahr konnte man auch Deine zwei markanten schwarzen Punkte auf der Nase nicht mehr erkennen, weil ausgebleicht und mit dem grau verschmolzen. 2x Gassi täglich war nur noch selten möglich und Deine Ruhe- und Schlafphasen wurden länger und länger. Immer öfters fanden wir Dich ,die immer mitten im Geschehen war, alleine wo liegen oder langsam und schwerfällig durch den Garten schleichen. Alle Leichtigkeit und Fröhlichkeit wich langsam einem angestrengten Gesichtsausdruck und oft schautest Du nun auch durch einen durch. Das Futter wurde nicht mehr aufgefressen und die Gassigänge schon mal freiwillig ausfallen lassen. Dann kam die Phase, wo Du immer öfters Nähe suchtest, wir uns nicht mehr bewegen konnten ohne das Du Dich auf jeden Schritt mit uns gedreht hast. Vieles war nur noch gute Erinnerung für Dich und lief automatisch ab und auf dem letzten Gassigang bist Du nur noch orientierungslos vor Dich hin gestolpert. Dafür zogst Du nun Kreise im Garten, im Haus - mal schneller und mal langsamer. Wir haben probiert es mit allem Möglichen in den Griff zu kriegen, aber es gab keinen Aufschub mehr. Nachdem Du nun fast ununterbrochen Tag und Nacht im Kreis laufen musstest bis zu völligen Erschöpfung und anfingst immer öfters zu weinen, haben wir beschlossen Dich gehen zu lassen. Du hast niemals wieder geweint oder irgendeinen Ton von Dir gegeben seit damals nicht. Im Gegensatz zu damals wusste ich nun aber sicher, es war tiefe Verzweiflung und das musstest Du nicht aushalten müssen. 
Uwe wollte unbedingt diesen letzten Gang mit Dir zusammen gehen und hat Dich bis zum Schluss im Arm gehalten, als Du wie immer von unseren Tierärzten sehr professionell und würdevoll begleitet, diese Welt verlassen durftest am 28.12. um 17.55 Uhr, nach 4 gemeinsamen Jahren, 3 Monaten und 4 Tagen und während Du schon schliefst schrieb Uwe mir: "Tess schläft nun, ich fuhr mit ihr zu ihrem letzten großen Gassigang, den sie ja so sehr liebte und erzählte ihr während der TA ihr die letzte Spritze ihres Lebens setzte - Ich wünsche Dir eine schöne große Wiese Tess, auf der Du lange spazieren gehen kannst. Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, Hummeln summen und es geht ein leichter, lauer Wind. Geh nun Tess, es ist alles gut und lauf so viel Du willst.....
 
Tess, wir lieben Dich und wir versprechen Dir, wenn mir wieder ein Hund wie Du so eindringlich sagt, dass wir genau der richtige Platz wären, um endlich einmal im Leben glücklich zu sein und dann in Frieden gehen zu dürfen, darf er Dein Erbe hier antreten. Wegen Hunden wie Dir sind wir hierher gezogen und wir werden immer dankbar sein für diese Möglichkeit und dafür, solche einzigartig Seelchen wie Dich kennenlernen zu dürfen. 
Leb wohl, Du wirst bereits sehnsüchtig erwartet. Bis irgendwann. <3
 

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