Die Narben auf der Hundeseele

  • 14. Mär 2019
  • geschrieben von  Ilona Gehrig
Fred war auf Pflegestelle und es zeigte sich schon am ersten Abend, dass da die Chemie so gar nicht stimmte. Man konnte nicht wirklich viel mit ihm anfangen und hat ihn auch irgendwie nicht verstanden, indem was er versuchte mitzuteilen. Da ich in der Zwischenzeit aus Erfahrung weiß, dass zum einen die Pudeligen schon sehr eigen sind und zum Anderen da schon klar, wo das enden wird, haben wir das Projekt beendet und ich habe Fred hier hoch bringen lassen und ihn in Hamburg übernommen.
 
Da war er nun der Fred, ein völlig verstörter, unglücklicher kleiner Pudelmann in einem engen Korsett, das man hier Sicherheitsgeschirr nennt. :-) 
Zugegeben, ich habe nahezu Idealbedingungen für so ziemlich jeden Hund und so hatte er hier den Luxus sich zum ersten Mal seit Ankunft in Deutschland mal frei auf unserem großen Grundstück bewegen zu dürfen. Er liebt es :-)
Mit Hunden ist das gar kein Problem, naja wenn einer neben im knurrt oder ihn rügt verliert er noch manchmal die Fassung und fängt hysterisch an zu bellen oder zu knurren.
Männer sind noch ganz gruselig, bei Uwe meinem Mann, musste man mit lautem hysterischen Gebell meinen Schoß entern, dann kann man den gerade so aushalten. Also lief der Mann ab sofort mit der Leberwursttube hier rum oder hatte kleine Würstchenstückchen in der Tasche. 
Stubenrein - öhm naja, nicht wirklich. Zugegebenermaßen ist hier aber auch das Wetter meist sehr bescheiden gerade und bevor die Türe wieder zugeht und man wieder wie früher alleine draußen bleiben muss, geht man lieber nicht raus zum Geschäft verrichten. Also gehen wir nun alle 2 Stunden mit ihm raus. Das geht dann ganz gut, es passiert nur noch selten ein Unglück.
 
Fred, der lieber Timo heißen wollte, ist im Grunde seines Herzens ein absolut liebevoller kleiner Hundemann, der einen innigst küsst und gaaaanz viel Sicherheit braucht. Er, der immer um mich rum läuft und bei mir ist, hat sich sofort zu Mimo gesellt, unserem alten Pudel, dem es aktuell sehr schlecht geht.
An dem Tag wo wir selbst nicht wussten, ob er den Abend überleben wird, lag Timo ständig bei ihm, ganz selbstverständlich. <3
Natürlich braucht er engsten Körperkontakt und schläft auch nachts an mir dran. Da alle anderen Hunde das problemlos dulden, ist auch klar, dass sie seine Not erkennen. 
Hat man ihn die ersten Tage nachts ausversehen berührt, ist er komplett ausgerastet und hat sich in der Hand verbissen und auch nachgebissen. Nein es ist nicht wirklich was passiert, der Knabe hat einen wunderschönen Vorbiss und so quetscht er eher und außer ein paar Zähnchenabdrücke habe ich auch bis heute nichts. Während ich ihn beruhigte, fragte ich mich, wie verzweifelt ein Hund sein muss, dass er aus dem Schlaf in Todesangst so hochschreckt und sofort um sich beisst? :-( 
Und was war er bekümmert, wenn er sah wessen Hand das gerade war. Er schmiss sich einem dann sofort in die Hand, küsste und schmuste, immer und immer wieder und versuchte zu beschwichtigen ohne Ende. 
Mit jedem Tag mehr hier, wurde er nun ruhiger und fasste mehr Vertrauen in sein neues Leben. Er traute sich nun auch mal die Liegemöglichkeiten hier durchzuprobieren und auch beim Gassi klebte er einem nicht mehr nur am Fuss. 
Aber sein persönliches Highlight ist der große eingezäunte Garten mit den vielen Spielsachen, die man sich wild um die Ohren hauen kann, das Toben mit uns oder den anderen Hunden; sein Futter (wir barfen) und das immer wer für ihn da ist und er nachts sicher und geborgen an einem schlafen kann. 
 
Es ist sehr spannend zu sehen, wie da innerhalb von wenigen Wochen (er ist gerade mal 4 Wochen da) ein ganz normaler fröhlicher und absolut lustiger Pudelmann wird. Und was hat er für eine Freude, wenn er einen Ablauf verstanden hat (wir arbeiten hier mit vielen Ritualen, damit Hunde wie Timo hier schnell ankommen können und Sicherheit haben) und mit Begeisterung in mein Bett springt, sich quer durch die Decken robbt und am Ende selig in meinem Arm liegt und kurz drauf tief und fest schläft. Gebissen hat er seit etwa einer Woche nicht mehr, wird er denke ich nun auch nicht mehr.
 
Pudel sind schon tolle Hunde, absolut eigen, lustig, unbestechlich und zu 100 % loyal und ich liebe ihren starken Willen und ihre unglaubliche Intelligenz. Man muss sie einfach mögen und wenn man ihr Wesen einmal verstanden hat, tut man das zwangsläufig. Die letzte Baustelle ist nun nur noch ihn hinter Trenngitter füttern zu können, da er sonst in jedem Napf hängt und beim wegholen wollen wieder um sich beissen würde. 
Traurig wieviel Not da dahinter steckt. Traurig auch, wenn man sieht, wie der eben noch fröhliche Timo zusammengebrochen ist, wenn man mit dem Geschirr kam, um Gassi zu gehen - Kopf runter, Schwanz runter und 10 Schritte zurück. Er dachte er muss wieder weg. 
Traurig, wenn man ihn mal ausversehen wo eingesperrt hat, was leicht passiert, weil er quasi immer in meinem Windschatten läuft. Er sagt keinen einzigen Ton, harrt geduldig hinter oder vor der Tür aus und wartet an Ort und Stelle, bis man die Tür wieder öffnet. Wie so viele ist er gewöhnt, dass es eh keinen interessiert wie er sich fühlt und wie es ihm geht und das man seine Bedürfnisse erst gar nicht anmelden braucht. Und absolut schlimm ist zu sehen, wie er sofort sein Gesicht abwendet und die Augen zusammen kneift, wenn man mit irgendwas in der Hand auf ihn zuläuft. Es sind einfach die üblichen offenen Wunden, die diese Hunde aus dem Ausland so oft mitbringen.
Einsamkeit, Furcht, Hunger, Resignation, null Komfort, kein Verständnis und keine Liebe. 
Dabei braucht es oft nur ein wenig Zeit, Verständnis und Wissen, aber auch gute Rahmenbedingungen. damit man diese Wunden heilen kann . :-)
Und schaut Euch nur die Bilder an, es geht eigentlich so schnell und so leicht wenn man sich wirklich aus ganzem Herzen einlassen kann und will, wieder Glanz in die Augen und ins Herz zu zaubern von so einem kleinen Hundetier.
Und natürlich bleibt Timo wo er ist, nach der langen Irrfahrt darf man auch endlich mal Zuhause sein . <3

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