Wie aus Oasis Roxy wurde

  • 19. Mär 2022
  • geschrieben von  Ilona Gehrig

Oasis war schon als jugendliche Hündin auf sich alleine gestellt und lebte in Portugal alleine auf der Strasse. Natürlich wurde sie mit der ersten Läufigkeit bereits von mehreren Rüden gedeckt und hatte sich in eine Hausruine zurück gezogen, um ihren Nachwuchs grosszuziehen. Hier wurde sie brutal von Hundefängern und nur, weil sie ihre Welpen nicht alleine lassen wollte, eingefangen. Extrem verstört und scheu landete sie in einem privaten Tierheim an der Algarve. Alle Welpen konnten nach einer Weile in England, Portugal und Deutschland vermittelt werden. Nur Oasis blieb in ihrem schrecklichen Verlies zurück. Ein winziger Auslauf Sand, Steine und mutterseelenalleine verbrachte sie dort tagein, tagaus.
Oft normale Vorgehensweise, sowohl das Trennen von ihren Welpen, als auch diese Art der Unterbringung. Sie war fast scheu und immer auf der Flucht vor Menschen.
Ich habe sie vor 2 Jahren dann nach Deutschland geholt und wir fanden heraus, dass sie vermutlich durch die Unterbringung in diesem " Loch" einen Kreuzbandriss davongetragen hat und als wäre das nicht schon genug auch noch eine Leishmaniose. Angsthund - Leishmaniose - klar so ein Hund muss zu mir.
Und so zog sie Mitte letztes Jahr zu uns.
Ein harter Weg liegt hinter uns und es gibt noch weiter viel zu tun, aber ich denke, ich kann mit Bestimmtheit sagen, sie ist glücklich und wird mit jedem Tag mehr zu dem Hund, der sie auch sein sollte. Und führt nun ein Leben, das jeder Hund leben sollte.
Sie zeigte von Anfang an ein tiefes Misstrauen Menschen gegenüber. Zwar gab es auch Elemente wo sie wie ein Welpe mitrennen und mitspielen wollte. Aber sie blieb im Haus steif und starr und verharrte in einer Ecke.
Macht mit mir was ihr wollt, ich wehre mich nicht.
Nachdem ich geklärt habe, dass sie nicht fliehen kann und auch nicht über die Zäune kommt, erschien es mir sinnvoll ihr zuerst mal ihre Selbstbestimmtheit zurückzugeben. Ich habe sie von Sicherheitsgeschirr und Schleppleine befreit. Sie war der erste Hund von 44 eigenen Hunden, die ich hatte und habe, wo ich so gehandelt habe und wusste es ist die einzigste Chance an sie ran zu kommen.
Und es war eine harte Zeit. Sie schien fast unsichtbar. Sie lebte quasi im Hügel in unserem Garten. Kam kurz zum Fressen und war sofort wieder weg. Es war nicht dran zu denken sie anzufassen und das Haus wurde gemieden. Mit der Zeit kannte sie die Zeiten wann es Futter gab und wartete schon im gebührenden Abstand. Und sie liebte die Leckerlis, die ich ihr im Garten verteilte.
Ich freute mich, wenn ich sie glücklich mit einem meiner Hunde spielen sah frühmorgens im Garten. Oder sie wenn alles ruhig war abends, ein Spielzeug fand und völlig ausgelassen mit sich selbst spielend durch den Garten rannte.
Mein Hundemamaherz blutete, wenn ich wieder ins Bett ging und Roxy, wie sie nun hieß, auf ihrem Hügel im Gebüsch wusste. Aber ich musste Geduld haben.
Irgendwann gab es ein schlimmes Gewitter mit Starkregen am Tag und ich sah wie sie panisch ums Haus rannte. Ich rief sie und sie kam auf direktem Weg ins Haus gerannt. Zitternd und starr stand sie da. Ich trocknete sie vorsichtig ab und nach dem Regen ließ ich sie wieder raus. Sie musste freiwillig kommen und Menschen wieder vertrauen lernen.
Ich ließ ihr immer ein Zimmer offen, das sie hätte ins Haus kommen können. Egal was ich hinlegte an Leckereien oder wie verlockend die weichen Hundebetten waren. Sie kam nie.
Also probierte ich es mit der Terrasse und legte ihr weiche dunkle Decken (da sieht man ihre weißen Haare besser) auf die Liege und jaaaa - ich fand immer öfters morgens weisse Haare und eine Kuhle.
Und irgendwann war sie zum Frühstück auf der Terrasse und kam vorsichtig und zögernd ins Haus oder legte sich öfters im Abstand zu mir und den Hunden im Garten dazu wenn wir auf der Wiese saßen kuschelte und spielten.
Sie wollte und konnte sich einfach nicht überwinden. Wichtig war, nie aufgeregt zu reagieren und ihr immer das Gefühl zu geben sie darf es selbst entscheiden.
Und irgendwann war sie drin, erst zögerlich und dann ganz selbstverständlich.
Erst weit von uns weg liegend und beobachtend, dann freiwillig an mir dran und Streicheleinheiten fordernd.
Anfangs bei Uwe auch erst mal wieder Hügelhund und nur mit mir abends rein.
Wenn ich nicht da war - Hügel und keine Chance für Uwe sie rein zu bekommen.
Deswegen alle Termine abgesagt, bis sie sicher genug war.
Unsere Mitarbeiterin bellt Sie bis heute an und flieht wenn sie ihr zu nahe kommt. Schwierig auch deswegen, weil diese auch Angst vor ihr hat. Aber sie vertraut mir inzwischen blind. Dinge die für sie gruselig oder schwierig sind löse ich für sie und das Beste und tollste für sie ist neben mir im Bett zu schlafen. Ist der Platz bereits besetzt wartet sie bis alle schlafen und wenn ich das nächste Mal wach werde liegt sie zufrieden und tief schlafend wie immer neben mir. Weiss der Kuckuck wie sie das immer wieder schafft. Eine echte Lebenskünstlerin. Das sie je mal freiwillig draussen geschlafen hat ist undenkbar inzwischen und wenn ich heute mal wieder unterwegs bin dann sichert sie sich den besten Platz in Uwes Zimmer. Kontaktliegen mit ihm tut sie allerdings nicht.
Sie ist immer noch kurz irritiert wenn ich wieder komme und meidet mich etwas, aber nachts liegt sie dann wieder wie von Geisterhand neben mir und ab da ist auch alles wieder gut. ?
Sie wird immer lustiger und ist ein sehr gesprächiger Hund geworden.
Ich wette, sie wird dieses Jahr einen schönen Frühlingsanfang haben und zum ersten Mal genießen können wie nun mehr und mehr die Natur aus dem Winterschlaf erwacht.

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