Die Sternenstunden im Tierschutz

  • 17. Feb 2021
  • geschrieben von  Ilona Gehrig

Eine Erkenntnis, die ich in all den Jahren in meiner Tierschutzarbeit gesammelt habe - die wirklichen Herz-Geschichten finden im Stillen statt und Liebe und Warmherzigkeit meist von Menschen weit ab der Öffentlichkeit. Die machen einfach und fragen nicht lang. ;-)
So jemanden traf ich im Frühsommer 2017 mit Andrea. Sie bewarb sich für Pantufa unseren Rauhaarbasset. Den wollten so unendlich viele, aber ich hatte kein gutes Gefühl, bei keinem. Mir schwante da schon, dass da irgendwas nicht stimmen konnte und das sollte sich leider sehr schnell bestätigen. :-(
Ich hatte da schon kein gutes Gefühl mehr zu der portugiesischen Vermittlerin und und ihren ewig gleichen Geschichten. Aber dem Hund musste dringend geholfen werden, aber ein reinrassiger Basset, den keiner will und den man ganz schnell los werden musste?
Die VK habe ich selbst gemacht und noch heute bin ich ganz berührt von diesen ganz besonderen Menschen. Sie leben auf einem wunderschönen Fleckchen Erde. Eine Oase der Ruhe und Stille und Menschen im Einklang mit der Natur. Auf der offenen Feuerstelle wurden gerade Kartoffeln gekocht und eine altes Hundeömchen lief zwischen den Ponys und Hühnern umher. Zwischendrin Andrea, so völlig eins mit sich, den Tieren und in ihrer Welt. Authentisch, empathisch und mit einem unglaublichen Wissen, sanft und stark zugleich. Ich war fasziniert wie lange nicht und sehr berührt. Ich ging davon aus, dass Pantufa sehr traumatisiert sein würde, denn sonst wäre er kein Notfall...
Und hier traf ich auf eine echte Traumaspezialistin. Sie hat fast nur solche Tiere und ist dabei so bescheiden und macht selbstverständlich das, wo sich viele Jahre für feiern lassen würden.
Wo sonst sollte Pantufas Platz sein, wenn nicht hier?
So kam er dann und ich weiß bis heute nicht, wie es gelang ihn ohne Verletzungen für irgendwen zu Andrea zu bringen. Ich denke er war wider aller Absprachen sediert.
Da war er dann - ein Häuflein Elend, mit 10.000 Baustellen, ungepflegt, garantiert nur mit dem nötigsten versorgt, unkastriert und um sich beissend. Dieser Hund musste die Hölle erlebt haben und Jahre in einem Zimmerkennel oder sonstigen kleinen Käfig verbracht haben; anders kann man sich diesen emotionalen Zusammenbruch nicht erklären, den er jedesmal bekam, wenn er das Gefühl hatte, er wird irgendwie eingesperrt. Er brach regelmäßig schreiend und wimmernd zusammen und war danach völlig apathisch. Zusätzlich dann noch Prügel vom feinsten und tiefe Verzweiflung, wenn er aus Angst dann wieder einmal gebissen hatte. Klar war es im Nachhinein gut, dass man ihn gut sediert hatte und keiner zu Schaden kam. Aber hier hatte keiner noch nicht im entferntesten eine Ahnung, was hier für ein Hund kam und ich glaube, niemand außer Andrea hätte ihn behalten. Sie liebte ihn von der ersten Sekunde, sie versteht ihn bis heute besser, als er sich selbst kennt. Egal was er tat, sie war an seiner Seite und schützte ihn, vor sich und vor anderen und nahm die anfänglichen Verletzungen selbstverständlich hin und verlor niemals die Geduld und ihr Ziel aus den Augen. Sie wollte ihm seine Seele zurückgeben und sein Vertrauen in die Menschen. Ich habe sie nicht anders eingeschätzt. <3
Baustelle für Baustelle ist sie angegangen und wo jeder Oscar oder Ossi, wie er jetzt liebevoll gerufen wird, aufgegeben hätte schenkte sie ihm einfach mehr Vertrauen. Und heute ist er körperlich soweit fit (durch die Käfighaltung waren Knochen und Gelenke wirklich schlimm dran), rennt und springt und genießt lange Spaziergänge. Spielt sogar gerne und verteidigt sein großes Grundstück und liebt seine Menschen heiß und innig und fast ein normaler Basset geworden. Der jährliche Tierarztcheck geht leider immer noch nur in Vollnarkose, aber sonst führt er inzwischen ein sehr normales Hundeleben.
Ich bin gerne nochmal gekommen und habe sie zusammen besucht und habe mir angeschaut, was Andrea da gezaubert hat.
Ein Jahr später hatte ich dringend einen anderen echten Notfall, ein fast wilder Junghund, den ein anderer Verein einfach aufgegeben hatte hier in Deutschland und der ebenfalls ein sehr trauriges Dasein fristete. Auch den hat sie aufgenommen und mit ihm gearbeitet. Er durfte bleiben, nachdem klar war, dass man diesen Hund niemals irgendwem geben können wird und er immer in den Grundzügen wild und extrem eigenständig bleiben würde. Auch diese Hündin hat eine Heimat dort gefunden, wo sie bis in den letzten Winkel ihres Herzens endlich verstanden wird. <3
Bis heute haben wir regelmäßig Kontakt, bis heute treibt mir die Liebe wie sie von ihren Tieren erzählt die Tränen in die Augen.... und ja Andrea, Du gehörst sicherlich zu meinen wenigen echten Sternstunden im Tierschutz und zu den Menschen, die einfach zur rechten Zeit am rechten Ort sind, um Seite an Seite mit uns zu kämpfen für die, die sonst ihre Traumen nicht überlebt hätten. Danke, dass Du da bist und Danke, dass wir uns haben finden dürfen. Du sehr besonderer Mensch Du und durch das Lobgehudel musste nun auch einfach mal durch, weil sowas von verdient. <3

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