Portugal als Tierschützerin – aus der Sichtweise von Kirsten

Portugal, Lissabon......
Fast jeder denkt dabei an Sonne, wohlige Wärme, Meeresrauschen, Urlaub, Erholung und Freude.
Immerhin ist Portugal eines der beliebtesten südlichen Länder, in denen Jahr für Jahr Tausende Touristen ihren wohlverdienten Urlaub verbringen.
Wohl kaum jemand denkt dabei an das Elend der Straßenhunde, die dort ihr Dasein fristen.
Ich lernte nun an diesem Wochenende viele der Hunde kennen, die auf ein besseres Leben in Deutschland hoffen.
Viele verurteilen es, Tiere aus dem Ausland zu adoptieren, da es in Deutschland ja auch genügend in den Tierheimen gäbe. Doch verurteilen wir Menschen, die in anderen Ländern leben wollen, weil sie in ihrem Heimatland verfolgt, gequält und getötet werden ? 
Das ist einiges dieser Dinge, die den Tieren dort in diesem Lande drohen. 
Und wer ernsthaft Zweifel daran hat, dass diesen Tieren, unseren Mitgeschöpfen, diese Rechte verwehrt werden sollten, der mag sich bitte vor Ort die Situation anschauen.
Zwei Tage bin ich nun wieder zurück und denke immer wieder an die hoffnungslosen Augen der Tiere, suchend, immer wieder um sich schauend, nirgendwo zugehörig, ruhelos und in der Hoffnung auf Zuwendung, Respekt und Geborgenheit.
Hunde, die zwar nun in Sicherheit vor Verfolgung und Tötung leben, da sie das Glück haben von Olinda und ihren Freunden Ana und Sonja liebevoll aufgepäppelt und versorgt worden zu sein, aber denen man trotzdem Leid und erlebtes Elend ansieht.
Es bleibt einfach viel zu wenig Zeit für den Einzelnen in Olindas Pflegestellen und bei ihr selbst, da die Not einfach so riesengroß ist, dass es überhaupt nicht möglich ist, jedem Tier das zukommen zu lassen, was es dringendst braucht. So wandern viele immer wieder unruhig hin und her mit ihren rastlosen Augen und warten........
Ich sehe einen Podengo, total verängstigt, willenlos auf dem Boden krabbelnd, sich schwer machend wie ein lebloser Sack, wenn man ihn berührt, wartend auf Schläge, Tritte oder andere Quälereien......
Ein Junghund, der von einem „Hunter“ stammt. Er ist bildhübsch gezeichnet und eigentlich so voller Anmut und Stolz! Hunter, das sind die dort lebenden Jäger, die ihre Podengos monatelang an Ketten halten oder in engen dunklen Verschlägen und Zwingern ohne Hütten, wenig Nahrung, schutzlos der Hitze oder starkem Regen und Kälte ausgesetzt.
Ich habe einen schweren Kloß im Hals, denn er sieht meinem Rüden, der ebenfalls aus Portugal stammt so ähnlich, so muss meiner wohl als Baby gewesen sein. Ich denke immer wieder daran, was mein armer Kerl mitgemacht hat, denn auch er stammte von einem „Hunter“.
Seltsame Verhaltensweisen, die er anfangs an den Tag legte, bekommen plötzlich eine ganz andere Dimension.
 
Eine sehr stolze, alte Hündin schleicht wedelnd und freundlich um mich herum. Ich erfahre, dass sie 10 Jahre in einem ansässigen Shelter verbracht hat und nun erst kurze Zeit bei Olinda lebt.
10 Jahre Gefangenschaft, Leid und Elend, mein Herz wird schwer und ich verspüre eine unbändige Wut in mir, dass man diese stolze Omi den Großteil ihres Lebens beraubt hat.
Ich gebe ihr Leckereien, die sie liebevoll mit viel Vorsicht und großem Genuß aufnimmt, einer Lady würdig, die sie bisher nie sein durfte. Immer wieder stecke ich ihr etwas zu, weil ihr Leuchten in den Augen als Dank für uns beide eine Freude ist! 
 
Ich freue mich, Mariana und Jonas und Poppy dort bei Ana zu sehen, die mit mir und Ilona in eine neue Zukunft starten dürfen. 
Mariana und Jonas wirken wie fröhliche Hunde, sie spielen und genießen ihre gemeinsame Zeit, aber wenn man sie genauer beobachtet, merkt man doch, dass etwas fehlt, diese Augen wieder.
Popy ist eine ältere Hundedame, schwer gezeichnet von ihrem Krankheitsbild, das dort nur wenig sinnvoll behandelt werden kann. Sie sieht so leer aus in ihren Blicken, nur der Gedanke daran, dass auch sie am nächsten Tag mit verreisen darf in ihre neue Pflegestelle, in der sie liebevoll erwartet wird, lässt mich in der Nacht zur Ruhe kommen.
Dann treffe ich die Wasserhunde, ganz frisch aus dem Shelter befreit, Junghunde zwischen 1 und 2 Jahren, angeschafft vermutlich als kuscheliger Teddybär Ersatz für die Kinder oder Ersatz Babys der Erwachsenen, sie hatten eine „Aufgabe“, wie so viele Hunde dort, wenn sie Puppies sind. Werden sie dann Junghunde und bekommen ihren eigenen "Kopf", werden sie entsorgt, gibt ja genügend Nachrücker, die man wieder wie Kuscheltiere behandeln kann so lange sie es sich gefallen lassen und eine Entsorgung ist ja nun wirklich gänzlich einfach, wenn es zu viel wird, direkte Abgabe in die Killing Shelter oder auf die Straße.
Es sind unterschiedliche Charaktere, doch eines haben sie gemeinsam, diese suchenden Augen...
Ich wünsche mir, dass sie schnell ein Zuhause finden werden, denn sie sind noch recht unbedarft und haben noch nicht die ganze Rohheit der Bevölkerung dort gespürt und somit die größten Chancen, nachts nicht jaulend aufzuwachen, wenn sie von ihrer Vergangenheit träumen, wie es meine Hunde anfangs oft getan haben.
Es sind zu viele, um von jedem Tier hier zu erzählen, das ich dort getroffen habe. Jeden Einzelnen dort habe ich tief in mein Herz geschlossen und ich fühle mich so hilflos, da ich nicht wirklich viel tun kann, um die Situation vor Ort irgendwie zu verändern, damit es einfach besser wird. Dieses Gefühl schildert auch Olinda immer wieder, wenn sie erzählt, dass sie einen täglichen Kampf ohne Ende führt, dass nachts die Augen der Hunde sie verfolgen, die sie nicht aus den Sheltern retten konnte.
Kastrierte Hunde sind in Portugal nichts wert, so sagt sie und daher wollen Portugiesen ihre Tiere nicht kastrieren lassen. Es ist außerdem auch günstiger, jedes Jahr etliche Hundewelpen in der Mülltonne zu entsorgen. Sie kastriert Woche für Woche Straßenhunde und ist selber immer wieder geschockt über diese Massen an Hunden.
Daher ist es auch schwierig, dort vor Ort die Ursachen der Hundemassen zu bekämpfen, wie es viele hier in Deutschland anprangern als einzig richtige Lösung!
Dazu gehört in erster Linie auch das Verständnis und die Einsicht der Bürger! 
Olinda und ihre ehrenamtlichen Helfer geben ihr gesamtes Geld für die Tiere aus und opfern ihre gesamte Freizeit. Diesen gebührt mein größter Respekt!
Man sieht, dass sie an jedem ihrer geretteten Tiere hängt und kämpft, dass es ihm besser geht. Am liebsten würde sie alle behalten, sagt sie, aber sie weiss, dass sie in Deutschland die beste Zukunft hätten.
Sie erzählt von Unmengen von Leid, das sie schon erlebte. Immer wieder stockt mir der Atem über diese Rohheit der Menschen, die diese wertvollen Geschöpfe zu Unrat und Abfall erklären!
Die Hunde sind hier Nummern, mehr nicht! Olinda erzählte mir, dass oft Welpen einfach in einer Plastiktüte zu geknotet am Zaun hängen. 
Oder sie erzählte von den Zwingern in den Sheltern, wo Hunde dünn wie Gerippe liegen, wartend auf den Tod, der sie endlich erlöst. Viele hungern seit Wochen, da sie zu schwach sind, um sich gegen die Anderen durchzusetzen. Sind sie dann am Sterben, werden sie von den Mitbewohnern angefressen. Ferner sind die Hunde auch der Willkür ihrer „Pfleger“ ausgesetzt.
Dies ist für die Tiere oft mit viel Leid und Schmerz verbunden.
Wenn ein Straßenhund verletzt ist, interessiert das niemanden. Absichtlich angefahrene Hunde werden auf den Gehwegen zur Seite getreten oder von Kindern mit Steinen beworfen, sie werden lebend gehäutet, angezündet zur Belustigung. :(
Olinda entschuldigt sich immer wieder bei mir, wenn sie mir ihre Erlebnisse erzählt, aber auch sie braucht jemanden, der zuhört und den Irrsinn mit ihr teilt.
Abschließend muss ich sagen, dass Tierschützer in Portugal einen schweren Stand haben.
Daher ist in meinen Augen die logistische und emotionale Rückendeckung aus dem Ausland von größter Wichtigkeit.
Seriöser Auslandstierschutz ist ein Beitrag zur Entwicklung eines effektiven, länderübergreifenden Tierschutzes in Europa.
 
Danke an Ilona und Tiersinfonie Anou und deren Helfer und Unterstützer!
 
Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln. 
( Mahatma Gandhi)

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